Wenn Sie über Polen über Land ins Baltikum fahren, dann nehmen Sie die nördliche Wegführung durch West- und Ostpreussen, die Straße über Poznan (Posen)nach Bydgoszcz (Bromberg) weiter über Grudziadz (Graudenz) nach Olsztyn (Allenstein) und weiter nach Nikolaiki (Nikolaiken)dies ist landschaftlich der schönste Ort, hier ist Masuren lebendig.In Augustow überqueren Sie den gleichnamigen Kanal. Über Suwalki passieren Sie auf der Europastrasse E67 die Polnisch - Litauische Grenze kommen über Marijampole nach Kaunas und weiter auf der Autobahn nach Vilnius.
Vilnius die Hauptstadt Litauens hat den anderen Hauptstädten etwas besonderes voraus. Sei es die Lage, die Geschichte oder die unendlich vielen barocken Kirchtürme. Die Litauer können jedoch auf eine Eigenstaatlichkeit im Zusammenhang mit der Christianisierung aus dem Mittelalter zurückblicken. Die Stadt Vilnius, Wilne, Wilna oder Wilno wie sie von den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen genannt wurde, wurde im 14. Jahrhundert gegründet. Verschiedene Völker mit ihren Religionen lebten einträchtig nebeneinander, eine durchgreifende Christianisierung fand nach 1386 durch die Personalunion mit dem polnischen Königshaus statt. Wilno war neben Krakau die heimliche zweite Hauptstadt des Polnisch-Litauischen Reiches, dass zeitweilig von der Ostsee bis an das Schwarze Meer reichte. 2009 soll die Obere Burg an der Vilna mit dem Gedemiasturm zur 1000jährigen Feier der Ersterwähnung Litauens fertig sein. Die katholische Kathedrale mit der Kasimirskapelle, hat als älteste litauische Kirche ihren Ursprung bereits im 13.Jahrhundert. Restaurierte barocke Stuckarbeiten zieren die Peter und Paul Kirche in der Altstadt. Die StAnnenkirche wurde aus über 30 verschiedenen Backsteinarten gemauert und Napoleon war von der St.Anna Kirche so beeindruckt, dass er sie gerne nach Paris mitgenommen hätte. Sie gilt als das schönste Bauwerk der litauischen Gotik. In der Bernardinerkirche zieren mittelalterliche Wandfresken im Gotischen Winkel die Wände. Wenn man hier so über diese Kirchen liest kann man vergessen, dass man eigentlich auch durch die Innen- und Altstadt bummeln kann. Die Eisdielen, die Cafés und die Restaurants sind ein Besuch wert und das Bier ebenfalls. An der Uni in Vilnius studieren an 15 Fakultäten 20.000 Studenten. Vilnius hat inzwischen ca 500.000 Einwohner.
Die Universität von Vilnius beansprucht ein ganzes Stadtviertel, mit ihren verschiedenen im Stil der italienischen Renaissance erbauten Innenhöfe beherbergt ein Barockwunder, die Johanniskirche. Die Universität ist 1579 aus einem Jesuitenkolleg heraus gegründet worden und damit die älteste und traditionsreichste Hochschule ganz Ostmitteleuropas. Wegen dieser vielen Kirchen ist Vilnius als das Rom des Nordens aber auch das Jerusalem des Ostens genannt worden. Bis vor dem zweiten Weltkrieg lebte hier eine Jüdische Bevölkerung von bis zu 80.000 Menschen in Wilne wie sie diese Stadt nannten. Von den bis zu 100 Synagogen erinnert nur noch eine an das jüdisch geistliche Erbe dieser Stadt.
Man sollte nicht vergessen, dass aufgrund des zweiten Weltkrieges die Bevölkerung grösstenteils ausgewechselt wurde. Die Nazis löschten die jüdische Bevölkerung bis auf wenige aus. Die polnische und litauische Bevölkerung wurde von den Sowjets aus der Stadt vertrieben und einfach gegen russische und litauische Landbevölkerung ausgetauscht. Der polnische Einfluss ist heutzutage wieder gewachsen und seitdem polnische Pilgergruppen am berühmten Tor der Morgenröte beten, ist dort ein Passieren nahezu unmöglich. Das Bildnis der Madonna von Vilnius wird sowohl von katholischen als auch orthodoxen Gläubigen verehrt.
Nach der Besichtigung und Erkundung der Geschichte von Vilnius sollten Sie sich die Kleinstadt Trakai etwa 30 km südwestlich von Vilnius ansehen. Dieser Ort war die erste Hauptstadt des Fürstentums Litauen. An diese grosse Vergangenheit erinnert eine Wasserburg, die Einzige im Baltikum, auf einer Insel im Galvé See. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 14.Jh. erbaut. Im Ersten Nordischen Krieg 1655 wurde die gesamte Anlage völlig zerstört. Erst im 20.Jh. wurde sie wieder aufge-baut. Die Palastwachen waren Karäer oder Karim, die von der Krim im 14.Jh. hierher verschleppt worden waren. Der hebräische Name Karäer bedeutet Leute der Heiligen Schrift, als jüdische Sekte im 8.Jh. gegründet. Diese jüdische Gemeinde überlebte den Terror der Nazis, weil diese sie nicht als Juden ansahen. Ihr Tempel, der Kenessa, liegt an der Strasse zur Burg. Hier ist ein hervorragendes Spezialitäten Restaurant "Kibininé", dass Sie unbedingt aufsuchen sollten, es wird Sie nicht enttäuschen. Dort können Sie auch mehr über diese Menschen erfahren.
Sie können der Landstrasse 105 nach Priena folgen und kommen nach Kaunas. Diese zweitgrößte Stadt Litauens mit 450.000 Einwohnern war von 1920 bis 1940 die provisorische Hauptstadt Litauens, da Vilnius von Polen annektiert war. Im 19.Jh residierte hier in Kaunas der Zar im Weissen Schwan, so wurde das barocke Rathaus genannt. Auf einem Hügel oberhalb der Stadtsteht die Auferstehungs-kirche, die bis 1988 als Radiofabrik genutzt wurde. In den letzten Jahren hat man sie sehr sorgfältig restauriert als ein Symbol der nationalen Wiedergeburt.
Eine traurige berühmtheit erlangte das IX Fort an der Autobahn Richtung Kleipeda. Deutsche und ihre litauischen Helfershelfer ermordeten dort ca 80.000 Menschen. Juden aus dem Ghetto der Stadt, russische Kriegsgefangene, deportierte aus anderen Ländern. Eine Ausstellung informiert über den Holocaust von Kaunas.
Die Stadt Siauliai oder Schaulen ist für den Nationalstolz der Litauer sehr wichtig. 1236 gelang es hier dem Fürsten Mindaugas, den Schwertritterorden vernichtend zu schlagen. etwa 20 km nördlich von Siauliai an der Strasse nach Riga ist eines der wichtigsten nationalen Denkmäler Litauens. Der Berg der Kreuze. 1831 wurde die ersten nach Aufständen gegen den Zaren. Von 1941 bis 1952 kamen Kreuze dazu, die an die nach Sibirien verschleppten Angehörigen gedachten. 1961 zerstörten KGB Agenten erstmals die Gedenkstätte, bis 1985 widerholte sich diese Auseinandersetzung immer wieder. Nach dem Papstbesuch 1993 wurde eine Kapelle gebaut und die Kreuze wurden in Ruhe gelassen.
Sie fahren nach oder kommen von Kleipeda oder Memel die einzige grössere Hafenstadt Litauens, ein Fährhafen für die Fähren aus Deutschland. Sie werden hier von dem Lied "Ännchen von Tharau" begleitet. Die so Angesungene ist auf dem Simon-Dach-Brunnen. Davor sitzt in den Sommermonaten ein Akkordeonspieler und singt Ihnen das Lied vor, selbst das Glockenspiel im Turm der neuen Hauptpost spielt die Melodie. Einige historische Speicher sind in der Altstadt erhalten geblieben. Das Theater mit dem Balkon auf dem Hitler 1939 den Anschluß des Memelgebietes an das Deutsche Reich proklamierte, steht ebenfalls.
Kleipeda liegt gegenüber der Nordspitze der Kurischen Nehrung, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Im siebenjährigen Krieg 1756 - 1763 wurde der dichte Wald der Nehrung abgeholzt zum Bau von Schiffen und zur Brennholzverwendung. Die Dünen, die es gab wurden zu Wanderdünen und begruben viele Dörfer unter sich. Seit der Aufforstung Ende des 19. Jahrhunderts versuchte man die Dünen zu stoppen. Thomas Mann ließ sich hier ein Sommerhaus aus Holz bauen. In einem Brief schrieb er "kennen Sie die Dünen in List auf Sylt? Man muß sie sich verfünfacht denken, man glaubt, in der Sahara zu sein". Die Hohe Düne bei Nidda ist mit 60 m eine der höchsten Dünen Europas. Von ihrem höchsten Punkt hat man einen fantastischen Ausblick über das Haff und die Ostsee. Die Suche nach Bernstein wurde hier bereits 1900 eingestellt. Im russischen Teil der Nehrung wird der Abbau von Bernstein Industriell betrieben. Ich bin leider nicht im russischen Teil gewesen und kann nichts darüber berichten, das landschaftliche Bild ist jedoch genauso. Im Augenblick laufen in den Programmen des deutschen Fernsehens Berichte über diesen Teil Ostpreussens. Es sind sehr emotionale Momente festzustellen, dass diese Gebiete niemehr Deutschland sein werden. Es ist im Zuge des Zusammenwachsens von Europa jedoch einfach als Besucher hierher zukommen und die Erinnerung lebendig werden zu lassen. Ich kenne es nur aus den Erzählungen meiner Eltern, die immer in Ost- oder Westpreussen gelebt haben jedoch nie zurückgekommen konnten.
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